Ödland ist ein weiter Begriff.
Man versteht darunter eine Fläche, die wirtschaftlich nicht genutzt wird, also auch brachliegende Äcker, Wiesen und Weiden, Schilfzonen, Heiden, Flußauen, und sogar Moore.
Typische von Menschen geschaffene Ödlander sind z.B. Lagerplätze, in Industriegebieten, an Verkehrsflächen, auf Güterbahnhöfen, auf nicht verbauten Restflächen in Siedlungen und in Gärten, vor allem entlang von Mauern, Zäunen und Gräben. Auch Abfallplätze, ehemalige Sand-, Kiesgruben sowie Baulandflächen.
So ein Ödland bezeichnet man auch als Ruderalflur.
Jede Ruderalflur würde sich im Laufe der Zeit über verschiedene Zwischenstadien irgendwann wieder zu einem geschlossenen Wald entwickeln. Je nach Bodenbeschaffenheit schneller oder weniger schnell. Z.B. auf mageren Böden und steinigen Standorten würde sich über Jahre hinweg erstmal nur lückenhaft Vegetation einstellen.
Ruderalfluren sind deshalb etwas vorübergehendes; sie entstehen ständig neu und erhalten sich auf Dauer nur durch wiederkehrende Veränderungen des Standortes.
Pflanzen die auf Ruderalfluren zu finden sind:
Aus dem Vorhanden sein bestimmter Arten lassen sich Rückschlüsse auf den Zustand und die Beschaffenheit des Bodens ziehen.
Pionierpflanzen besiedeln diese Ruderalfluren.
Hier kann man noch ein bischen genauer darüber nachlesen: http://www.dasgrueneforum.com/tipps-infos/zeigerpflanzen-t973.html?hilit=Zeigerpflanzen
Über 180 verschiedene Arten wurden schon auf solchen oft nur wenige 1000 m² umfassende Standorte gezählt.
Seit der Steinzeit folgte die Flora der Ödlandstandorte dem Menschen sozusagen auf den Fuß. Sie wurde unfreiwillig aus den bisherigen Siedlungsräumen mitgebracht. So sind der Klatschmohn und die Kornblume wie viele ander Wildkräuter der Äcker und des Ödlands bereits in der Steinzeit bei uns heimisch geworden. Man rechnet sie heute zur ursprünglichen mitteleuropäischen Flora. Als mit dem Beginn der Neuzeit neue Kontinente entdeckt wurden, konnte auch so manche Pflanze als Neueinwanderer Fuß fassen. Vor allem aus Nordamerika sind in dem letzten Jahrhunderten nicht wenige Arten zu uns gekommen, die heute schon zum vertrauten Landschaftsbild gehören.
Z.B. die gelbe Reseda aus Südeuropa ist eine "Eisenbahnpflanze". Sie überließ den Samentransport den Güterwagen und hat mit der Entstehung der Bahnlinien im letzten Jahrhundert einen einzigartigen Siegeszug in die Ödländer ganz Mitteleuropas angetreten.
Man sollte auch nicht unerwähnt lassen, daß eine Reihe von auf solche Standorte angewiesene Pflanzen und Tiere, die in der Roten Liste stehen, dort ihre letzten Überlebenschancen haben!!
Wo ist Platz im Garten?
In größeren Gärten finden sich neben dem Komposthaufen, unter Gehölzen und in einigen Nischen genügend Stellen, an denen man der Natur freien Lauf lassen kann. Es reicht eigentlich aus, diese Flächen nicht zu düngen und nicht zu mähen.
Wer jetzt Angst hat, die dort aufkommenden Pflanzen würden sich durch ihre Samen als unerwünschtes "Unkraut" im Gemüsebeet ausbreiten, sollte den Pflanzenbewuchs der verschiedenen Standorte miteinander vergleichen. Er wird bald feststellen, daß im Gemüsebeet ganz andere Wildkräuter wachsen.
Was ich auch noch gleich dazu sagen möchte ist, daß Baulücken, Abstandsflächen und kleiner Inseln im Siedlungsbereich vielfach ohne Notwendigkeit gärtnerisch "gestaltet" werden. Die angepflanzten exotischen Nadelgehölze und "Bodendecker" sollen "Pflegeleicht" sein, und so sehen sie auch aus. Diese aus Halbwüsten und Hochgebirgen Innerasiens stammmenden Bäume und Sträucher werden als sog. "Aussperrungsgrün" mißbraucht; sie gehören eigentlich nicht in unsere Landschaft.
Überläßt man solche Flächen sich selbst, entwickelt sich im Laufe der Jahre eine üppige Vegetation, die sich nicht nur Tieren und Pflanzen zum Refugium anbietet, sondern auch gern von Heilkräutersammlern ( ich sag nur Huflattig, Kamille,Schafgarbe, Wundklee usw.) und abenteuerlustigen Kindern aufgesucht wird.
Die Genehmigungsbehörden sind erfreulicherweise in jüngster Zeit dazu übergegangen, nach Möglichkeit eine Renaturierung im Sinne des Naturschutzes zu fordern. Wird nämlich bereits beim Abbau auf die künfige Funktion des Geländes Rücksicht genommen, so können dort überaus reiche Lebensgemeinschften entstehen, die in ihrem ökologischen Wert manchen Naturschutzgebieten in nichts nachstehen.
Es schadet dabei auch nicht, wenn dort auch Aushub und Gartenerde abgeladen werden, weil sich dadurch immer wieder neue Pioniergesellschaften mit wechselnder Artenzusammensetzung bilden können.
Starthilfen:- sind im allgemeinen auf bisher intensiv landwirtschaftlich genutzten oder gärtnerisch gestalteten Flächen nötig.
Es genügt aber in aller Regel, den Oberboden aufzulockern. Nährstoffreiche Humusauflagen sollten entfernt werden. Geländemodellierungen erhöhen später die Artenvielfealt. Eine bereits vorhandene naturnahe oder schützenswerte Pflanzendecke darf niemals zerstört werden!!
- Um eine naturnahe Besiedlung zu ermöglichen, sollten keine Bäume oder Sträucher gepflanzt werden. Was bereits vorhanden ist, bleibt stehen, sofern es in unsere Landschaft paßt.
- Eine naturnahe Vegetation braucht weder Dünger noch Herbizide; diese Mittel haben im Ödland grundsätzlich nichts zu suchen!
- Der Entwicklung einer Ruderalflur, die auf trockenen und nährstoffarmen Standorten mehrere Jahre benötigt, kann nachgeholfen werden. Es dürfen Samen ausgestreut werden, die von wild wachsenden Pflanzen ähnlicher Standorte gesammelt worden sind. So können auch Arten angesiedelt werden, die schon so selten geworden sind, daß eine Verbreitung über den natürlichen Samenflug nichtmehr zu erwarten ist.
- Wird Ödland neu gestaltet, sollte dies immer unter der Anleitung von Fachleuten und im Zusammenwirken mit den Naturschutzbehörden geschehen.



