Es scheint, als habe der gute alte Filterkaffee ausgedient: Espresso, Latte Macchiato und andere Kaffeespezialitäten sind heute gefragt. Lange Zeit gab es sie nur im Café oder beim Italiener, doch dann erfand die Nestlé-Tochter Nespresso bonbonfarbene Aluminium-Kapseln, mit denen frischer Kaffee in den verschiedensten Formen gebrüht werden kann. Seitdem sind Espresso & Co. zu einem Lifestyle-Produkt für zu Hause geworden. Seiner Erfindung verschaffte Nespresso mit einem ausgefeilten Marketing einen Kult-Status. George Clooney lächelt süffisant von Nespresso-Plakaten und brummt in Werbefilmen mit tiefer Stimme den Werbeslogan „Nespresso. What else?“.
Doch die Idee von Nespresso hat einen entscheidenden Fehler: Die bunten Kaffeekapseln, von denen jährlich 5 Milliarden eingesetzt werden, bestehen aus Aluminium. Nach dem Kaffeebrühen landen sie im Mülleimer. Pro Jahr werden 4.000 Tonnen Aluminium gebraucht, nur damit Kaffeekochen ein Ausdruck von Lifestyle wird.
Der Abbau von Aluminium in riesigen Tagebauminen ist besonders umweltschädlich, die Verhüttung des Aluminiumerzes (Bauxit) extrem energieintensiv. Beide gehen auch zu Lasten des Regenwaldes. Der zur Aluminiumproduktion benötigte Rohstoff Bauxit wird im Amazonasregenwald in Brasilien im Tagebau abgebaut. Um an die Vorkommen zu gelangen, wird der Regenwald großflächig abgeholzt. Die anschließende Aluminiumgewinnung aus Bauxit ist extrem umweltschädlich und energieintensiv, denn um eine Tonne Rohaluminium zu gewinnen, sind 14.000 Kilowattstunden Strom nötig.
Im brasilianischen Amazonasgebiet werden deshalb riesige Wasserkraftwerke gebaut wie zum Beispiel das "Belo Monte". Ganze Flüsse werden umgeleitet oder aufgestaut, die Regenwaldgebiete abgeholzt oder in den Fluten der Stauseen ertränkt. Indigene Völker müssen den Stauseen weichen und werden von ihrem angestammten Gebiet vertrieben. Ein hoher Preis für ein wenig Kaffee-Genuss.
Nespresso-Kunden haben bereits in der Vergangenheit auf das Müll-Problem aufmerksam gemacht. Das Unternehmen reagierte mit PR-Strategien und verspricht unter der Dachmarke „Ecolaboration“, in Zukunft die Recyclingquote der Kapseln zu erhöhen. Doch dabei verlässt sich Nescafe nur darauf, dass die Kunden die Kapseln in die gelben Recycling-Tonnen werfen und sie dem allgemeinem Recycling-Kreislauf zugeführt werden. Doch selbst bei hohen Recyclingquoten ist eine ständige Zuführung von neuem Aluminium notwendig. Dies wird auch der Grund sein, warum Nespresso die angebliche positive Ökobilanz der Kapseln unter Verschluss hält.
Fraglich ist auch, ob Schauspieler George Clooney klar ist, dass er für ein Produkt wirbt, das nicht nur immense Tonnen Müll produziert, sondern auch die Regenwaldzerstörung durch seinen hohen Aluminiumbedarf forciert und dadurch nicht nur zahllosen Menschen die angestammte Heimat nimmt, sondern auch die Klimaerwärmung anheizt durch die massive Freisetzung von Kohlenstoff aus den Rodungen und Methanemissionen aus den Stauseen. Clooney engagiert sich als UN-Botschafter für den Klimaschutz. Rettet den Regenwald fordert Nespresso auf, in Zukunft auf die Aluminium-Kapseln zu verzichten.
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