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Misteln weisen auf Bodenbelastung hin

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Misteln weisen auf Bodenbelastung hin

Ungelesener BeitragAutor: Giftpflanze » 28. Okt 2009, 20:57

Misteln an Bäumen können anzeigen, ob Schwermetalle im Boden vorhanden sind.

Das haben Wissenschaftler des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Braunschweig herausgefunden.
Die Forscher des JKI-Institutes für Pflanzenbau und Bodenkunde um Pro. Dr. Dr. E. Schnug zeigen in einer umfangreichen und zum Jahresende 2008 abgeschlossenen Studie, dass Pappeln auf schwermetallbelasteten Böden deutlich stärker von Misteln besiedelt werden als z. B. Ahorn oder Linde.
Die Belastung der Böden setzt die Widerstandsfähigkeit der Bäume herab und macht sie dadurch anfälliger für den Halbschmarotzer.
„in der Region Goslar, in der durch die Bergbaugeschichte viele Standorte mit Blei, Kupfer und Zink belastet sind,waren auf gering belastete Böden des Stadtgebiets 9% auf hochbelasteten Böden hingegen 49% aller Pappeln Wirte für Misteln“.
Nach Aussagen des Institutsleiters sind die Schwarzpappeln häufiger betroffen als die Säulenpappeln.
Auf der Grundlage dieser Erkenntnis wollen die Wissenschaftler nun ein Verfahren zur Vorerkundung entwickeln.Mit Pappeln als Indikatoren und basierend auf der Verbreitungsdichte der Misteln sollen damit rasch Bodenbelastungen aufgespürt werden
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Re: Misteln weisen auf Bodenbelastung hin

Ungelesener BeitragAutor: Drudenfuß » 11. Dez 2010, 21:05

Hallo Giftpflanze,

ich habe jahrelang versucht, auf unseren Apfelbaum Misteln anzusiedeln, durch Samen die ich von Weihnachtsdeko hatte.
Anfangs war das Unterfangen sehr aussichtslos, zumal in Literatur stand, Mistel lassen sich nicht kultivieren.
Ich hab die Äste angebohrt, und die Samen rein gesteckt, mit Wachs verschlossen, mehrere Jahre...ohne Erfolg.
Dann hatte ich die Idee, die Samen (waren jedes Jahr frische an Weihnachten) mit elastischen Verbandsmullbinden, zu fixieren.
Den Verband habe ich nicht mehr entfernt, und als ich schon gar nicht mehr dran dachte, habe ich die jungen Misteltriebe am Baum entdeckt, die gut wachsen.

Misteln sind höchst mystische Gewächse und Leben in Symbiose mit Ihrem Wirt. Da kein Schmarotzer Interesse hat, seine Lebensgrundlage zu verlieren, denke ich auch nicht, dass Misteln dem Baum schaden, im Gegenteil.

Dein Beitrag beweist ein weiteres Mal die heilende Wirkung der Mistel, gerade wenn Bäume unter widrigen Bedingungen wachsen. Sie geben ähnlich der Pilze im Waldboden, Stoffe an den Wirt, die ihm dienlich sind, als Gegenzug bekommen Sie Lebensenergie von ihm.

Sicherlich weißt Du, dass Misteln in der Krebstherapie erfolgreich eingesetzt sind und schade ist, dass sie in der Volksheilkunde so wenig eingesetzt werden (Kreislaufmittel, Blutdruck).

lg
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Re: Misteln weisen auf Bodenbelastung hin

Ungelesener BeitragAutor: Giftpflanze » 11. Dez 2010, 21:21

Also ich kann nur sagen, daß bei uns an einem viel befahrenen S-Bahn Schienen Weg + Rangierbahnhof entlang, viele Pappeln stehen die sehr stark mit Misteln bewachsen sind.
Ich denke mal, das der Boden dort auch sehr belastet ist.
Soweit klingt diese Erkenntis doch recht plausibel für mich.
Klar ist die Mistel auch eine alte Heilpflanze. Man denke da nur mal an die Druiden usw.
Ich verfolge auf alle Fälle diese Untersuchen. Bis jetzt haben sich aber noch keine Neuen Erkenntnisse ergeben.
Drudenfuß hat geschrieben:Sicherlich weißt Du, dass Misteln in der Krebstherapie erfolgreich eingesetzt sind

Ja das weiß ich. Aus meinem Verwandscahftskreis hat jemand jahrelang durch Mistelspritzen seinen Lungenkrebs in Zaum gehalten. Ich will aber erwähnen, das die Misteltherapie nicht von Kassen übernommen wird, und es ein kostspieliges Unterfangen ist.
Aber dies ist jetzt etwas abgeschweift vom Thema.
Für mich steht fest: Misteln weisen auf Bodenbelastungen hin.
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Re: Misteln weisen auf Bodenbelastung hin

Ungelesener BeitragAutor: Ragin » 11. Dez 2010, 21:33

Hallo,
Den Thread hatte ich noch gar nicht gelesen, bin doch ständig mit aktuellem befasst.
Ich stelle auch fest, dass es hauftsächlich Pappeln sind, die von Misteln besiedelt werden. Wundert mich aber auch wenig, sie sind zum einen sehr hoch und ausladent, also ein perfekter Aufenthaltsort für die Vögel, die wo die klebrigen Samen dort an der grobrissigen Rinde von ihren Schnäbeln abstreifen. Dann ist das Holz sehr weich und kann wohl besser durchdrungen werden als beim Ahorn. Zudem sind Pappeln stark Wasserführend, was die Mistel als Halbschmarotzer ja braucht.Sie hat ja eigenes Chlorophyll und assimilliert selbständig. Dazu braucht sie aber auch Licht, welches sie in den lichteren Pappelkronen vielleicht besser abbekommt als in dichteren Ahornkronen.
Ich nehme mal an, dass Pappeln auf den feuchten Standorten viel mehr Durchsatz an Wasser haben als andere Bäume und dadurch auch mehr Schwermetalle anreichern falls die da vorhanden sind. Ob die den Baum heilen ist auch ein interessanter Gedankenansatz, ist schon möglich.
Schöne Grüße,
Ragin
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Re: Misteln weisen auf Bodenbelastung hin

Ungelesener BeitragAutor: Geri » 13. Dez 2010, 17:18

Ich will die Arbeit der Wissenschaftler keinesfalls in Zweifel ziehen! Sie haben ihre Aussage sicher mit vielen Untersuchungen untermauert. In der Nähe meines Arbeitsplatzes ist vor rund 70 Jahren eine Windschutzpflanzung aus Pappeln und Fichten gepflanzt worden. Sie stehen mitten im Wiesland und daher kaum auf belastetem Boden. Auch die Belastung durch Luftschadstoffe bewegt sich im Rahmen des ländlichen Schweizer Mittellandes.
Trotzdem sind die Pappeln sehr befallen. Dies vielleicht, weil sie über ihren Lebenszenith hinaus sind und sehr viel Dürrholz aufweisen?
Gruss Geri

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Re: Misteln weisen auf Bodenbelastung hin

Ungelesener BeitragAutor: Dulcamara » 13. Dez 2010, 18:09

Nur ein kleiner Zusatz:

in der aktuellen Kraut und Rüben gibt es einen schönen Artikel über Misteln (deswegen habe ich mir die Zeitschrift geleistet...), daraus ein paar Daten:

Die Mistel wächst vor allem in Regionen mit hoher Luftfeuchtigkeit und milden Wintern.

Die Mistel wird nun als Schmarotzer und nicht mehr als Halbschmarotzer (was ich jahrelang auch unterrichtet habe) angesehen, das sie ihre Wurzlen auch unter die Rinde in den Bast (sekundäres Phloem) schiebt und so Glucosesaft aufnimmt. Photosynthese betreibt sie aber auch.

Sie blüht erstmals mit 5-7 Jahren und dann von Ende Februar bis Mitte März.
Die Mistel ist zweihäusig, beide Pflanzen stehen aber eng zusammen und wirken dadurch wie eine.
Die Blüten sollen nach Orange duften.
Ab Ende Juni entwickeln sich die Beeren.

Um zu keimen müssen die Samen nicht (wie immer wieder behauptet wird) durch den Vogelmagendarmtrakt gehen! Der Samen keimt im April und bildet erst ein Jahr später die ersten Blättchen.

In jedem Frühjahr bildet sich ein neuer Stängel mit zwei neuen Blättchen (ich meine aber gelesen zu haben, dass es nicht um Blätter, sondern um eine Verbreiterung und Abflachung der Sprossachse handelt!).
Das Alter lässt sich so bestimmen.
Die Mistel kann über 30 Jahre alt werden.

Ab Ende März orientieren sich die Blätter (?) und Stängel jeden Tag in eine andere Rinchtung, so wird die Mistel kugelförmig. Ab Juli hat die Pflanze ihr Zentrum gefunden.

Zu Verwendung in der heutigen Medizin und als heilige Pflanze bei den Kelten könnte ich auch eine Menge schreiben, gebe aber gerne auch Buchtipps.
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Re: Misteln weisen auf Bodenbelastung hin

Ungelesener BeitragAutor: Dulcamara » 13. Dez 2010, 18:26

hier noch der link zu meiner aktuellen Quelle:

http://www.krautundrueben.de/infos-heften
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Re: Misteln weisen auf Bodenbelastung hin

Ungelesener BeitragAutor: Dulcamara » 13. Dez 2010, 23:20

Hallo Mathilde,

was möchtest Du gerne wissen? In welche Richtung geht Dein Interesse?
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Re: Misteln weisen auf Bodenbelastung hin

Ungelesener BeitragAutor: Dulcamara » 14. Dez 2010, 19:47

Ragin hat geschrieben:Dass die Wurzeln das Kambium durchdringen müssen um an´s Splintholz zu gelangen ist ja logisch.


Ja? Das Kambium befindet sich zwischen Xylem und Phloem! Oder meinst Du das Korkkambium (Phellogen)?
Das Kambium besteht nur aus einer dünnen Zellreihe, also nichts besonders Festes oder Stabiles.

Zum Wurzelbau ein Zitat aus Wikipedia:

Bei der Keimung wächst zunächst ein kleiner Stängel mit einer Haftscheibe aus dem Samen, aus der kurz nach der Keimung ein Saugfortsatz (Haustorium) in den Ast des Wirtes hinein wächst. Das Haustorium entwickelt sich im Laufe der Zeit zu einer Primärwurzel, die immer weiter in das Wirtsgewebe eindringt. Aus der Primärwurzel wachsen im folgenden Jahr sog. Senkerwurzeln, die bis in das Leitungsgewebe des Wirtes vordringen und selber auch wieder in der Lage sind, neue Senker sowie Wurzelsprosse auszubilden. Erst nachdem die Senkerwurzel die Leitungsbahnen des Wirtes erreicht haben, entwickelt sich die Mistel weiter. Nach einigen Jahren ist die Mistel dann so reich verzweigt, dass sie kugelige Büschel von bis zu einem Meter Durchmesser erreichen kann.

Dass Baumzweige absterben können, wenn sie von Mistel besetzt sind, ist ja bekannt. Der Wirt wehrt sich ja auch gegen den Schmarotzer. Es kommt zu Gewebewucherungen und Harzbildung.

Zum Zucker:
Die Siebröhren des Phloems der Wirtzpflanze leiten doch die Glucose, die als Assimilationsprodukt entsteht. Die Senkerwurzeln der Mistel haben doch sowohl Siebröhren als auch Tracheen. Habe eben nachgelesen: Der Glucosetransport erfolgt apoplastisch aus dem Wirt.

Zur Kugel:
Ich meine, dass die "Blätter" eben keine sind, sondern zur Sprossachse gehören. Sprossachsen richten sich doch immer wieder neu aus. Wieso sphärische Ausrichtung??? Dann würden die Sprosse ja immer vom Erdmittelpunkt weg wachsen!
Ich verstehe nun Deine Frage bzw. Anmwerkung nicht!
Flieder und Mistel weisen den gleichen Verzweigungstyp auf, nämlich ein Dichasium! Naja, Flieder ist nicht kugelförmig.
Zuletzt geändert von Dulcamara am 14. Dez 2010, 20:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Misteln weisen auf Bodenbelastung hin

Ungelesener BeitragAutor: Ragin » 14. Dez 2010, 19:56

Hallo Dulca,
Danke Dir, mit sphärisch meine ich, dass die Sprosse kugelförmig um ihren eigenen Mittelpunkt herum wachsen. Meistens wachsen Pflanzen ja nach oben hin.
Liebe Grüße,
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Re: Misteln weisen auf Bodenbelastung hin

Ungelesener BeitragAutor: Dulcamara » 14. Dez 2010, 20:04

Sorry Ragin, habe eben den Beitrag von mir nochmal ergänzt, während Du schon geantwortet hast. Also der Glucosetransport läuft apoplastisch vom Wirt zum Parasit. Manche Arten der Mistelgewächse decken bis zu 62%(!) ihres Kohlenstoffbedarfs so.
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Re: Misteln weisen auf Bodenbelastung hin

Ungelesener BeitragAutor: Dulcamara » 14. Dez 2010, 21:02

... endlich gefunden, Himmel...

also: bei den "Blättern" handelt es sich nur um verbreiterte Blattstiele (Phyllodien), die Blattspreite fehlt. So war das...
Es fehlt dort auch das sonst so typische Palisadenparenchym, wo bei "normalen" Blättern ein Großteil der Photosynthese (in den Chloroplasten) betrieben wird.

Das hat mich jetzt ganz kirre gemacht, dass ich das nicht fand...
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Re: Alles über die Mistel

Ungelesener BeitragAutor: Ragin » 17. Dez 2010, 15:04

Hallo,
Hab gestern beim spazierengehen einen frei stehenden Apfelbaum entdeckt der zwischen den Feldern am Wegesrand stand. Er sah ziemlich ramponiert aus, abgebrochene Starkäste im Kronenbereich und wilde Triebe im unteren Bereich und alles mit Misteln bewachsen. Hab gleich Bilder gemacht, zeige mal eines:
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Re: Alles über die Mistel

Ungelesener BeitragAutor: Holosericea » 17. Dez 2010, 17:42

Schönes Bild Ragin, das gefällt mir. Und der Baum ist ja wirklich über und über mit Misteln bewachsen

Ist es nicht eigentlich so dass jeder Baum seine eigene Mistelart hat? Ich glaub ich hab das mal irgendwo gelesen.
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Re: Alles über die Mistel

Ungelesener BeitragAutor: Ragin » 17. Dez 2010, 18:48

Liebe Holo,
Deine Frage hier hat mich zur Recherche verleitet.
Bin ganz glücklich über das, was ich da gefunden habe, eine sehr informative Seite grade für mich als spagyrikbegeisterter. Danach gibt es an die 90 Mistelarten in Europa. Die Eiche trägt wohl eine eigene Art, welche auch am heilkräftigsten sein soll. Doch lies selbst, besonders dass die Misteln Strahlenbelastungen entstören halte ich für sehr bemerkenswert.
http://www.mistel.at/mistel/mistel.htm#Anfang
Liebe Grüße,
Ragin
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Re: Alles über die Mistel

Ungelesener BeitragAutor: Dulcamara » 18. Dez 2010, 10:18

Hallo Ragin,

kennst Du eigentlich diese Seite?

http://www.bayernflora.de/de/info_pflan ... taxnr=7072
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Re: Alles über die Mistel

Ungelesener BeitragAutor: Dulcamara » 18. Dez 2010, 11:13

Gerade sah ich, dass es hier
wildpflanzenv/viscum-album-laubholz-mistel-t1413.html
auch schon einen Mistel-Steckbrief gibt, vielleicht könnt Ihr lieben Mods und Admins die Seiten zusammenlegen?

Die Mistel steht übrigens nicht unter Naturschutz!

http://www.floraweb.de/pflanzenarten/ar ... chnr=7072&
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Re: Alles über die Mistel

Ungelesener BeitragAutor: Holosericea » 18. Dez 2010, 22:22

Dulca, der Lexikonbereich ist eigentlich so eingerichtet dass man dort nur lesen kann. Diskussionen über die einzelnen Pflanzen haben wir dann hier :) - fand das bisher immer recht gut
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Re: Alles über die Mistel

Ungelesener BeitragAutor: Dulcamara » 19. Dez 2010, 12:27

Ok, nur dann bitte dort verbessern, dass Viscum album nicht unter Naturschutz steht.
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Re: Alles über die Mistel

Ungelesener BeitragAutor: Holosericea » 19. Dez 2010, 12:31

ok wird gemacht :), danke für den Hinweis
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