Nirgendwo in Deutschland ist Massentierhaltung weiter verbreitet als im Emsland oder in Vechta und Cloppenburg (Niedersachsen). Über Jahrzehnte haben hier die großen Konzerne der Branche ganze Landstriche umfunktioniert, um in riesigen Fabriken enorme Mengen an Geflügel zu mästen und zu schlachten. Aufgrund von Massenproduktion ist es außerdem so preiswert wie nie zuvor. Die Verbraucher übersehen gerne, dass die niedrigen Preise mit einem Unmaß an Tierquälerei einhergehen. Viele Millionen Tiere darben in engen, verdreckten Käfigen oder überfüllten, riesigen Ställen dahin. Für die Hähnchen und Legehennen sind die Massenställe eine lebenslängliche Tortur.
In der Gemeinde Groß Miltzow in Mecklenburg-Strelitz, in der Nähe einer idyllischen Naturlandschaft inmitten der Brohmer Berge, soll die größte industrielle Hühnermastanlage Deutschlands mit 400.000 Tierplätzen auf einer Fläche von rund drei Hektar auf bestem Ackerland entstehen. Es ist vorgesehen, dass an diesem Standort jährlich 3,2 Millionen Tiere gemästet werden. Das Vorhaben, hinter dem Friedrich-Ernst Wilfarth aus Woldegk und der Niederländer Martijn Ritzema stehen, stößt bei einem Großteil der Bevölkerung – nicht nur Bewohnern der Region – auf Widerstand. Die Gegner des Projekts werfen dem Unternehmen vor, Umweltschutz und artgerechte Tierhaltung mit Füßen zu treten.
Die Firmen Kreckower Agrar GmbH (Friedrich-Ernst Wilfarth) und Mecklenburger Hähnchen GmbH (Martijn Ritzema) sollen holländische Großinvestoren beliefern. Dabei handelt es sich um die Unternehmen Plukon Royale Group, die seit 2009 zu 100 Prozent dem niederländischen Investmentfond Gilde buy out Partners gehört sowie den mit der Plukon zusammenarbeitenden Futtermittelhersteller Strahmann.
Die niederländische Plukon Royale Group ist groß im Geschäft. Sie verfügt über sechs Schlachthöfe, vier Weiterverarbeitungsbetriebe mit einer Schlachtkapazität von 240 Millionen Hähnchen im Jahr und beliefert Absatzmärkte im gesamten europäischen Raum. Damit liegt der Konzern auf Platz drei in Europa.
Auf dramatisch steigende Überkapazitäten hat die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (ABL) unlängst hingewiesen. Einer ABL-Verlautbarung zufolge wird die Hähnchenschwemme in Europa durch das Plukon-Projekt noch verschlimmert. Die Großmäster Wesjohann, Stolle und Rothkötter haben ihre Kapazitäten stark erweitert. Bereits jetzt werden große Mengen an Hähnchenteilen aus Europa nach Afrika exportiert und vernichten die Existenzgrundlagen der dortigen Bauern.
Vor Produktionsüberschuss und Preisverfall bei Geflügel hat die Bürgermeisterin Elvira Janke (CDU) offenbar keine Angst. Die Vorsteherin der Gemeinde Groß Miltzow ist eine wichtige Fürsprecherin des Großprojektes. Ebenfalls kaum Einwände gegen die Errichtung eines Mischfutterwerkes im benachbarten Städtchen Strasburg hat dessen Bürgermeister Norbert Raulin.
Einer der wichtigsten Bestandteile der Futtermittel für die Geflügelzucht ist Soja. Für den Anbau der eiweißreichen Bohne werden in Exportländern wie Brasilien, Argentinien, Bolivien und Paraguay die artenreichen Urwald- und Savannengebiete gerodet. Dies führt in Südamerika zur Zerstörung von Lebensraum der Urvölker, zum Artensterben und in letzter Konsequenz zu massiven Klimaveränderungen weltweit. Menschenrechts- und Landrechtsverletzungen sowie die Vertreibung der Kleinbauern sind direkte Folgen des von Konzernen und Investoren dominierten Sojageschäfts. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um gentechnisch verändertes Soja. Ganze Landstriche werden per Flugzeug mit hochgiftigen Pestiziden besprüht. Menschen werden ihrer Lebensgrundlagen beraubt, werden vergiftet und hungern, weil ihre Land für den Sojaanbau in Beschlag genommen wird – um Futtermittel für unser Vieh in die Industrieländer zu exportieren.
Rettet den Regenwald fordert von den Gemeinderäten und den Vertretern der Landesregierung, die Ausweitung der industriellen Tiermastbetriebe und Großschlachtereien zu stoppen.
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