Autor: Giftpflanze » 4. Sep 2009, 18:30
Biologischer Pflanzenschutz
Kennzeichen eines biologischen Gleichgewichts:
In der Natur hat jedes Lebewesen seine Funktion und ist Glied einer langen Kette.
Schädlinge und Nützlinge sind daher willkürliche Bezeichnungen.
Bio-logisch heißt lebens-gesetzlich.
In einem biologischen Gleichgewicht kann sich das gesunde, lebensfähige entwickeln, weil jene Organismen, die wir Schädlinge nennen,oder Krankheiten verursachen, die Aufgabe haben, das Schwache, seinen Lebensbedingungen schlecht Angepaßte oder Alternde, abzubauen.
Dieses Gleichgewicht ist um so stabiler, je vielfältiger es zusammengesetzt ist.
Mechanische Abwehr
Für den Einsatz im Hausgarten gibt es zahlreiche mechanische Abwehrverfahren, welche vor allem früher häufig benutzt wurden und deshalb als altmodisch gelten.
Es sind einerseits Mittel, welche eine Zuwanderung von Schädlingen auf die Pflanze verhindern und anderseits solche, welche auf mechanischem Weg Schädlinge tötet.
Die meisten dieser Mittel sind in landwirtschaftlichen Genossenschaften, Samenhandlungen oder Drogerien erhältlich.
Maßnahmen sind z. B.:
Gitter und Zäune gegen Wildschäden:
Eine vollständige Einfassung des Gartens mit einem feinmaschigen Gitter schützt vor Hasen und Rehen.
Mindesthöhe der Gitter in gefährdeten Gebieten (Waldnähe) 1,50 m. In schneereichen Gebieten höher.
Für Jungbäume gibt es die sogenanten Drahthosen/Kunststoffhosen gegen Verbiß von Wild.
Vogelabwehrnetze und Vogelabwehrbänder:
Flatternde Staniolbänder/streifen, farbige plastikbänder und Vogelabwehrnatze sind von Bedeutung zum Schutz von Beerenstreucher, Kirschbäumen und Frühsaaten (z. B. Erbsen).
Die blaue Farbe an Flatterbänder seint die Vögel stärker fernzuhalten.
Die Vögel gewöhnen sich aber schnell an die Bänder; wirksamen Schutz garantieren nur die Netz.
Es gibt auch noch Ansitzstangen für Greifvögel.
Schneckenzäune:
Diese eignen sich gut zur Einfassung von Gärten oder Beeten gegen die Zuwanderung von Schnecken, z. B. aus angrenzenden Wiesen. Es sind dies abgewickelte Blechrahmen oder mittels Batterien betriebene elektrische Zäune, die im Handel erhältlich sind. Zu beachten ist, dass die Schneckenzäune nicht durch Pflanzen oder Gras überwachsen werden.
Einsammeln von Schädlingen:
Eine arbeitsaufwendige, aber umweltschonende Methode
Leimringe
Leimringe werden rings um die Baumstämme angelegt, um jene Insekten (v. a. Frostspanner) zu fangen, die am Stamm hinauf und hinunter laufen/kriechen. Die Streifen müssen dicht anliegen!
Bei älteren Bäumen kann man den Leim direkt auf den Stamm pinseln.
In etwa 1 m Höhe glättet man einen 10 cm breiten Streifen der Rinde und bestreicht ihn.
Leimringe sollten nur von September bis Dezember an den Bäumen belassen werden.
Die mit Leim verklebten Insekten können Vögeln schaden.
Das gleiche ist, wenn man in Süßkirschen Gelbtafeln hineinhängt.
Entfernen befallener Pflanzenteile
Dies kann eine Ausbreitung von Pilzkrankheiten (z. B. Mehltau an Obst) und Blattläusen verhindern.
Verfahren der biotechnischen Schädlingsbekämpfung
Als biotechnische oder auch biologische Schädlingsbekämpfung werden verschiedene von Wissenschaftlern erforschte Verfahren bezeichnet, bei denen es darum geht, gezielt mit natürlichen Gegenspielern von Schädlingen zu arbeiten.
Insbesondere zu nennen sind:
a) Aussetzen von nicht einheimischen Nützlingsarten (z. B. amerikanische Zehrwespe gegen Blutlaus)
b) Periodische Freilassung von in massen gezüchteten Nützlingen oder Krankheitserregern (Schlupfwespe, Raubmilben, Florfliegen, Bakterien u.a.)
c) Regulierung und Kontrolle eines Schädlingsbefalles mit Fallen, z. B. mit Farbtafeln (Kirschenfliegenfallen) oder Sexualduftstoffen (Pheromonen)
Es sind erst wenige Verfahren so weit entwickelt, dass sie in der Praxis Eingang gefunden haben:
Zu nennen ist vor allem der Einsatz von im Labor gezüchteten Schlupfwespen der Gattung Trichogramma, welche die Eier zahlreicher Schadinsekten (Maiszünsler, Kohleule, Apfelwickler) parasitiert. Sie legen ihre Eier in diejenigen der Schädlinge ab und verhindern dadurch deren Entwicklung.
Nicht nur Insekten können als natürliche Feinde gegen Schädlinge eingesetzt werden; ebenso intensiv wird daran geforscht, Mikroorganismen, d. h. Viren, Bakterien, Pilze usw. zur Schädlingsbekämpfung/regulierung einzusetzen.
Eine besondere Bedeutung für die Praxis hat dabei der Einsatz einer Bakterienart
Bacillus thuringiensis:
Hier handelt es sich um ein Bakterienpräperat, das sich vor allem zur Bekämpfung von Schmetterlingsraupen, z. B. des Kohlweisslings, des Frostspanners, der Gespinnstmotte und des Traubenwicklers als wirksam erweist.
Anwendung:
Die Bakterien werden zu einem Pulver verarbeitet.
Fressen die Raupen die damit behandelten Blätter, so verenden sie nach kurzer Zeit.
Wiederhollte Anwendungen sind in der Regel nötig.
Temperaturen über 20°C erhöhen die Wirkung.
Konzentration: 0,06-0,1%
Pilzbekämpfungsmittel für den Biologischen Pflanzenschutz:
Der Einsatz von eigentlichen Pilzbekämpfungsmitteln ist auch im biologischen Anbau, vor allem im Rebbau und Obstbau, für bestimmte anfällige Sorten und ungünstige Standorte kaum zu umgehen.
Im Hausgarten kann ohne weiteres ein gewisser Schorfbefall in Kauf genommen werden.
Aus der großen Anzahl der Fungizide sind für den biologischen Anbau nur Kupfer-und Schwefelmittel zugelassen.
Die Wirkungsweise von Schwefel und Kupfer sind vorbeugend, d. h. die Pflanzen werden mit einem Spritzbelag überzogen, der die Keimschicht der Pilze tötet.
Im Unterschied dazu dringen die so 'systemischen' chemischen Fungizide in das Pflanzengewebe und den Pflanzensaft und töten dort die Pilzfäden ab. Solche Mittel werden aus toxischen Gründen im biologischen Anbau nicht verwendet.
Auch zeigt sich das sich gewisse Pilzstämme gegen einzelne dieser Mittel widerstandsfähig werden. Bei Kupfer- und Schwefelmitteln sind solche Resistenzerscheinungen bisher nicht bekannt.
Hingegen kann zu intensive Schwefelanwendungen schädigend für einzelne Nützlingsarten wirken und zuviel Kupfer den Boden belasten.
Bei einigen Obstsorten zeigt sich Empfindlichkeit gegenüber diesen Mitteln (Pytotoxität).
In biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise wird auf die Anwendung von Kupfermitteln verzichtet.
Ledax-san(Bio-S)
Es handelt sich hierbei um ein Vorbeugungsmittel, das aus feinstgemahlenen Kräutern (Brennessel, Schachtelhalm, Zwiebelgewächsen und Rainkraut), Algen und Steinmehlen sowie 24% Netzschwefel besteht.
Dieses Mittel wird vor allem im Obstbau gegen echten Mehltau und mit Teilwirkung, gegen Schorf und Schrotschuss verwendet; es wird aber auch vorbeugend gegen andere Pilzkrankheiten verwendet.
Eine gewisse Blattdüngungswirkung ist zu beobachten. Die Wirkung wird erhöht, wenn man das Präperat vor dem Einsatz 1-2 Tage vergären lässt.
Schwefel(S)
Schwefel wird, in Verbindung mit einem Netzmittel schon seit vielen Jahren vor allem zur Bekämpfung von Schorf und echtem Mehltau eingesetzt.
Die Wirkung ist bei Temperaturen bis 16°C geringer wie bei Kupfer.
Bewährt hat sich die Anwendung von Netzschwefel kombiniert mit Pflanzlich-mineralischen Pflegemitteln.
Vorsicht: Beim Obst besteht Berostungsgefahr, sowie allgemein, wenn bei Temperaturen über 28°C gespritzt wird.
Schwefel wirkt schädigend für Raubwanzen, z. T. auch für Marienkäfer und Raubmilben.
Handelsnamen:
Es gibt verschiedene Produkte im Handel, deren Wirkung ziemlich ähnlich sind.
Sofril, Sufrato, Thovit, Elosal-Supra usw.
In Deutschland wird Netzschwefel mit Pottasche (Kaliumkarbonat), sog. 'Hepar sulfuris' verwendet.
Wasserglas(Natriumsilikat)
Wasserglas ist eine starke kieselsäurehaltige, basisch wirkende Flüssigkeit.
Sie kann besonders, im Sommer, den Spritzungen zur Vorbeugung gegen Pilzkrankheiten im Obst- und Weinbau beigegeben werden.
Konzentration: ca.0,5-2%
Giftklasse: 4
Wartezeit: 3 Wochen
Handelsname: Wasserglas; Natriumsilikat
Kupfer:
Kupfermittel werden schon seit altersher im Rebbau zur Pilzbekämpfung eingesetzt.
Von einigen Richtungen des biologischen Landbaus wird die Verwendung von Kupferpräperaten in sehr geringer Konzentration zugelassen, jedoch nicht in Verbindung mit chemischen Mitteln.
Sie sind gegen den Falschen Mehltau der Rebe, gegen Schorf (vor allem bei kalter Witterung als Vorblütenspritzung) und gegen Krautfäule bei anfälligen Kartoffelsorten und bei Tomaten einzusetzten.
Kupfermittel können bei zu starker Konzentration Berostung an Kernobst verursachen und die Entwicklung gewisser Bodenlebewesen behindern. In der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise sind deshalb diese Mittel nicht zugelassen.
Konzentration: siehe Angaben auf der Verpackung
Giftklasse: 4
Wartezeit: 4 Wochen
Handelsname: unter den verschiedenen Kupferformen werden am häufigsten Kupferoxychlorid, Kupfersulfat und Bordeauxbrühe (Kupferkalkbrühe) verwendet.
Es gibt zahlreiche Produkte und Handelsnamen.
Schädlingsbekämpfung im biologischen Pflanzenschutz
Die pflanzlichen Insektizide wirken vorwiegend als Kontaktgift. Die Wirkstoffe durchdringen die Haut der Insekten und lähmen deren Körperfunktionen. Der Spritzbelag, der auf der Oberfläche der Pflanzen bleibt, wirkt auch auf zufliegende Insekten.
Bezüglich ihrer Wirkung unterscheiden sich pflanzliche Mittel nicht von chemisch synthetisierten Kontaktgiften. Sie bauen sich aber sehr rasch ab und sind für Warmblüter wie den Menschen in diesen Konzentrationen ungiftig.
Die im biologischen Landbau nicht zugelassenen naturfremden chemisch-synthetischen Insektizide wirken nicht nur als Kontaktgifte, sondern auch als Atem-und Frassgifte. Bei den Frassgiften werden, vor allem gegen saugende Insekten(Blattläuse), auch systemisch wirkende Gifte eingesetzt, die in die Pflanzengewebe eindringen. Dadurch das diese systemischen Mittel von den Schädlingen nur mit dem Pflanzensaft eingesaugt werden, sind einige davon wohl nützlingsschonender, hingegen erhöht sich die Gefahr, dass gesundheitsgefährdende Rückstände in den Pflanzen bleiben.
Nicht systemische Insektizide, also auch pflanzliche Mittel, sind für nützliche und harmlose Insekten sowie für Fische schädigend.
Deshalb sind auch pflanzliche Gifte mit großer Zurückhaltung anzuwenden.
Man sollte möglichst nicht zu der Zeit spritzen, wo die Zeit des starken Bienenfluges ist, sondern v. a. abends.Bei besonders gefährdeten Kulturen mit kurzer Vegetationszeit (Gemüsebau) muss unter Umständen eine gezielte Bekämpfung durchgeführt werden, bevor die natürlichen Feinde auftreten.
In Obstbau kann eher zugewartet und genau beobachtet werden, ob die natürliche Schädlingsregulierung zum Spielen kommt.
Pyrethrum
Pyrethrum ist ein Auszug aus den Blüten von Chrysanthemen Arten,die in warmen Gebieten wachsen. Es baut sich schnell ab und zeigt nach 48 Stunden keine Wirkung mehr. Eine längere Lagerung ist deshalb schwierig.
Das Mittel ist ein Kontaktgift,welches durch die Haut in die Insektenkörper eindringt und als Nervengift wirkt.
Der wirkstoff, das natürliche Pyrethin, wird entweder allein, in Kombination mit Rotenon, oder als Mischung mit einem chemischen Zusatzstoff (Piperonylbutoxid) zur bekämpfung saugender, teils auch beissender Insekten wie Blattläuse, Weisse Fliege, Kohlweissling und Spinnmilben verwendet. Pyrethrum ist giftig für alle Insektenarten, auch Nützlinge, wenn sie direkt getroffen werden. Es ist ein starkes Fischgift! Für Warmblüter ist es ungiftig.
Die Verwendung von 40°C warmen Wasser erhöht die Wirkung der Mittel. Der Zusatz von Tonerdemehlen vermindert die Wirkung.
Es wird darauf hingewiesen, dass die im Handel erhältlichen chemisch-synthetisch hergestellten Pyrethoide im biologischen Anbau nicht zugelassen sind,da über ihre Langzeit-und Nebenwirkungen noch zu wenig bekannt ist.
Konzentration: Das Mittel enthalten nicht alle gleich viel Wirkstoff. Die Angaben auf der Packung beachten.
Giftklasse: 5 oder 5 S
Wartefrist: im Gemüsebau 7 Tage; im Obstbau 3 Wochen
Handelsnamen: Ledax-wg (Spruzit) und Biocid (gleich stark wirkend), Aril (stärker wirkend als Biocid)
Rainfarn
(Tanacetum vulgare)
Auch Wurmtod, Heilwurz oder Raingut genannt, ist ein Korbblütengewächs.
Anwendung:
Von Juni bis September die Blüten und Blätter sammeln und als Brühe oder Tee zubereiten. Rainfarn wird mit gutem Erfolg gegen verschiedene Insekten, z. B. Ameisen, Blattwespen, Blattläuse, Wurzelläuse, und Milben eingesetzt.
Mineralische und pflanzliche Öle:
Diese Mittel, insbesondere die Mineralölemulsionen, zerstören die vor Nässe und Verdunstung schützende Wachsschicht auf der Insektenhaut oder verstopfen deren Atemorgane.Einzelne Richtungen des biologischen Anbaus verwenden sie zur Winterspritzung der Obstbäume. Nachspritzungen und eine zu konzentrierte Anwendung können zu Flecken und Geschmacksbeeinflussung der Früchte führen.
Es laufen Versuche, mittels pflanzlicher, ätherischer Öle Schädlinge von Kulturen fernzuhalten.
Giftklasse: 5 S oder Frei
Wartefrist: mindestens 3 Wochen
Handelsnamen: Amalgerol und Natasan (Flüssigverrotter), Bioco-Spritzmittel, Promanal (nur in Deutschland)
Schmierseife und Brennsprit
Die Wirkung ist ähnlich wie bei den mineralölen. Die beiden Mittel wirken kurzfristiger und werden vorwiegend zur Blattlausbekämpfung eingesetzt.
Giftklasse: Frei
Wartefrist: 3 Wochen